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Zeitungsartikel SWP 16.02.2016 – Auftritt KULTURACH

Ein wirklich toller Artikel! Vielen Dank an Kirsten Oechsner (unbekannter Weise) für den Bericht.

BAD URACH

Alltagserlebnisse in Lieder gegossen

„Liedermachersachen“ statt Salsa und Zumba, intensives Zuhören statt flotter Bewegung: In der Tanzschule Timotion herrschte durch „Hannas Herrliche Band“ eine ungewohnte Atmosphäre.

KIRSTEN OECHSNER | 16.02.2016

Melancholisch und zuckersüß, aufgeklärt und romantisch, manchmal ein wenig verrückt und dann doch wieder bodenständig: Hanna Herrlich steht für einen Typ junger Menschen, die es nach Meinung vieler Erwachsener gar nicht mehr gibt. Es ist nicht die Jugend im Allgemeinen, die desinteressiert durchs Leben geht und sich vornehmlich der Muße hingibt, deren Vorliebe vor allem den Smartphone gilt und für die Politik ein Buch mit sieben Siegeln ist. Hanna Herrlich denkt nach über sich und die Umwelt, die Benachteiligten in einer vermeintlich heilen Welt, sie vermag aber auch die Natur zu schätzen und sie zu genießen.

Diese Gedanken und viele mehr fließen in ihre Texte ein – autobiographische Momente fängt sie ein, Erlebtes wird zu Songs verarbeitet. „Dieses Lied habe ich geschrieben nachdem ich einen Beitrag über die NPD gesehen habe“, teilt sie dem Publikum der jüngsten Kulturach-Veranstaltung mit. Ein Reporter habe sieben Tage lang mit den Parteigängern verbracht: „Manchmal frag ich mich, wo kommen die Gedanken her und all der Hass“, heißt es im Text. „Ich will ein buntes Land.“

Verpackt hat die junge Liedermacherin die Zeilen in einer eingängigen Melodie, das Publikum singt mit und ist baff: „So viel Reife in diesem Alter“, heißt es immer wieder unter den etwas mehr als 100 Besuchern.

Gerade mal 19 Jahre ist Hannah Helfferich, wie die Musikerin in ihrem realen Leben heißt, viel kann sie in dem Alter noch nicht erlebt haben – doch sie saugt die Geschehnisse in ihrer Umgebung und der Welt regelrecht auf, geht mit offenen Augen durchs Leben. Als ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe Aktive. Als Urlauberin an der Ostsee. Als Absolventin eines Freiwilligen Ökologischen Jahres. Als verliebte junge Frau.

Gesungen habe sie schon immer, teilt die junge Liedermacherin mit. Ihre Gedanken schreibt sie seit etwa zwei Jahren auf und macht daraus Liedtexte. Auf Papas Gitarre habe sie auch immer mal wieder geklimpert, kurz vor ihrem mit 17. Geburtstag nahm sie dann Gitarrenunterricht bei Michael Sayer. Der gehört nun zu ihrer „herrlichen Band“, spielt in der Band den Bass und bleibt trotz seiner Erfahrung als Begleitung im Hintergrund. Auch die anderen Jungs spielen sich nicht in den Vordergrund, sind aber unverzichtbarer Teil ihres Programms: Marius Hilfrich an der Gitarre, Rudolf Bayha am Keyboard und Martin Pfeilsticker am Cajon.

Dass drei ihrer Mitmusiker wesentlich älter sind, mache ihr nichts aus. Mit ihren Liedern spreche sie Zuhörer jeden Alters an. Das Publikum ist begeistert von der Musikerin aus Kirchentellinsfurt, ihre Fröhlichkeit und Unkompliziertheit, die bestimmt-selbstbewusste und doch unaufdringliche Art stecken an: Die Stimmung im Saal der Tanzschule Timotion ist geprägt von einer heiteren Gelassenheit, die Besucher fühlen sich wohl. Hanna Herrlich steht mit ihrer Musik noch ganz am Anfang und wird ihren Weg gehen – da sind sich die Besucher einig.

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